Giessen

Nicht alle Pflanzen sind Wasserpflanzen. Andererseits sind sie auch nicht alle Kakteen. Pflanzen sind Individuen und damit ist auch der Wasserbedarf individuell verschieden.


Warum wird Wasser benötigt?


Wie bei allen Lebewesen stellt ausreichend Wasser in den Zellen deren Funktion sicher und sorgt damit für das Überleben. Nährstoffe können von Pflanzen nur in Wasser gelöst über die Wurzeln oder über die Blätter (Blattdüngung) aufgenommen werden. Wasser transportiert und verteilt diese über die Leitungsbahnen der Pflanzen. Bei der Assimilation wird auch Wasser benötigt. Gleichzeitig sorgt die Pflanze durch die Verdunstung von Wasser über die Spaltöffnungen der Blätter für Abkühlung, insbesondere bei großer Hitze.


Wie oft soll gegossen werden?


Die alte Regel 'Einmal in der Woche zu giessen' wird dem tatsächlichen Bedarf der Pflanzen normalerweise nicht gerecht, da abhängig von der Witterung, Temperatur, evtl. Wind und Verlauf der Jahreszeiten unterschiedliche Wassermengen benötigt werden. Ist es kühl, feucht und windstill, verbraucht die Pflanze weitaus weniger Wasser, als an heissen Sommertagen an dem auch noch Wind weht. Auch sind Pflanzen mit grossen, weichen Blättern wahre Säufer, kleinblättrige Pflanzen mit eher lederartigen Blättern sind eher Wassersparer.


Als grobe Faustformel kann man sagen, dass Pflanzen in Töpfen dann gegossen werden sollen, wenn die Erde oberflächlich abgetrocknet ist. In Zeiten, in denen der Wasserverbrauch der Pflanzen grösser ist, ist das Substrat schneller 'trockengelegt' als z.B. in den Ruhephasen der Pflanzen. Daher ist der richtige Zeitpunkt zum Giessen selten das ganze Jahr über immer der gleichen Tag in der Woche.


Menge und saisonale Schwankungen


Im oben genannten Intervall kann normalerweise großzügig gegossen werden. Jedoch immer angepasst an die Jahreszeit. Mit Beginn des Austriebes im Frühjahr wird auch langsam wieder mehr gegossen, da der Neuaustrieb zu einer Vergrösserung der Verdunstungsfläche (mehr bzw. größere Blätter) führt und der Wasserbedarf damit steigt. Wenn im Sommer dann hohe Temperaturen zu einer weiteren Erhöhung der Verdunstung führt, ist der Wasserbedarf am grössten. Bis der Wasserbedarf dann im Herbst wieder fällt und im Winter am niedrigsten ist.


Da viele Pflanzen im Winter meist aufgrund Ihres Rhytmusses und niedrigerer Temperaturen eine Ruhephase durchmachen (müssen), ist auch der Wasserbedarf geringer und dadurch weniger zu giessen. Bei Pflanzen wie z.B. Korallenbaum oder Kakteen und anderen ist sogar teilweise das Giessen im Winter unter Einhaltung der Ruhetemperaturen komplett einzustellen.


Das Substrat sollte bei Pflanzen mit empfindlichen, feinen Wurzeln nie ganz austrocknen. Gleichzeitig sollte je nach Empfindlichkeit der Pflanzen das Wasser aus dem Untersetzer nach etwa 1/2 Stunde weggegossen werden.


Natürlich gibt es immer Ausnahmen, wie z.B. der Oleander, der es in der Vegetationsperiode liebt, 'einen nassen Fuss' zu haben.


Abtrocknen?


Warum die Erde zwischen den Wassergaben leicht abtrocknen soll? Ganz einfach. Dieser kurzfristige Wassermangel gibt einen Wurzelwachstumsimpuls an die Pflanze. Sie lässt die Wurzeln wachsen um in tieferen Gefilden an das Wasser zu kommen. Gleichzeitig kann so Sauerstoff an die Wurzeln gelangen. Allerdings sollte die Pflanze dabei nicht unbedingt anfangen zu welken. Und die berühmte Ausnahme sind wieder unsere Wasser- und Sumpfpflanzen bzw. feuchtigkeitsliebende Pflanzen wie z.B. Farne, die eher gleichbleibend feucht gehalten werden sollten.


Die Qualität des Gießwassers


Im Idealfall verwendet man sauberes Regenwasser zum Giessen. Jedoch steht nicht überall genügend Regenwasser zur Verfügung. Somit bleibt Leitungswasser häufig die erste Wahl. Und spätestens jetzt rückt die Wasserqualität in den Vordergrund.


Es gibt deutliche Unterschiede bezüglich der Wasserqualität. Im Wesentlichen unterscheiden wir hartes und weiches Wasser.


Das Regenwasser ist im Idealfall reines Wasser. Jedoch tritt dieser Idealfall kaum auf, da der aufsteigende Wasserdampf feinste Staubpartikel mitreissen kann und wenn es dann als Regentropfen wieder herunter fällt, die Luft sauberwäscht und, bevor es aufgefangen wird, noch schnell mal das Dach und die Regenrinne reinigt. Da keine Mineralien darin gelöst sind, handelt es sich hierbei um weiches Wasser.


In vielen Gegenden Deutschlands kommt hartes Wasser aus dem Wasserhahn. Durch den Weg, den das Wasser durch die Erdschichten genommen hat, hat es Mineralien und insbesondere Kalk aufgenommen. Beim Wasserkochen setzt es sich mit der Zeit als weisser, hartnäckiger Belag im Topf ab. Teetrinker kennen auch die Schlieren auf der Wasseroberfläche. Häufiges giessen mit kalkhaltigem Wasser hebt den Kalkgehalt im Substrat. Der hohe Kalkgehalt bindet wiederum Spurenelemente, die für die Pflanzen nicht mehr verfügbar sind. Dies zeigt die Pflanze mit einer Vergilbung der Blätter: Das Grün verbrasst zusehends zu einem faden Gelb.


Hartes Wasser ist jedoch nicht immer von Nachteil. Es gibt viele Pflanzen, die hartes Wasser, kalk und alkalische Böden bevorzugen bzw. brauchen, wie z.B. Lavendel, Oleander und Essfeigen.


Die langfristigen Auswirkungen von 'falscher Wasserqualität' ist unter Düngen beschrieben.


Beeinflussung der Wasserqualität


Es gibt verschiedene Möglichkeiten, hartes Wasser aufzubereiten. 'Geringe' Mengen können durch das Einhängen eines Stofftäschchens gefüllt mit Torf durch die darin enthaltenen Huminsäuren abgesäuert werden. Jedoch ist der Bedarf an Torf nur für die Wasseraufbereitung auf lange Sicht ökologisch nicht gerade sinnvoll.


Das Absäuern wäre sicherlich auch durch Säuren möglich, was sich jedoch je nach Säure zu einem unkalkulierbaren Gesundheitsrisiko entwickeln kann. Da ist der Einsatz von z.B. Essig oder Citronensäure schon eher ungefährlich, wenn auch nicht sinnvoll, da Überdosierungen zu erheblichen Schäden an Wurzeln führen kann.


Das Problem ist eine drohende Überdosierung und die messtechnische Überprüfung und Sicherstellung der richtigen Konzentration.


Eine etwas teure Aufbereitung ist das Filtern. Im grossen Stil die technische Wasseraufbereitung oder im kleineren das Filtern in Kannen, wie Sie für Haushalte zum Entkalken von Wasser angeboten werden. Diese Filter sind jedoch auf Dauer recht teuer da sie regelmäßig ausgetauscht werden müssen. Bei seltenen und empfindlichen botanischen Kostbarkeiten ist sicher auch dieser Aufwand gerechtfertigt.


Vorsicht ist geboten bei der Wasseraufbereitung mit Salz zum Schutz der Wasserrohrleitungen im Haus.


Bei Happy-Flora hat sich der Einsatz von sauer reagierenden Düngern für die 'Wasseraufbereitung' seit Jahren bewährt. Mehr hierzu unter Düngen.


Folgen


Die wünschenswerte Folge des Giessens ist natürlich das prächtige Gedeihen der Pflanzen. Doch diese Belohnung wird sich bei falschem Giessen nicht einstellen. Falsches Giessen kann die Pflanze erheblich schwächen, schädigen oder sogar umbringen.


Pflanzen mit empfindlichen Wurzeln nehmen bei lang anhaltender Bodennässe irreparable Schäden. Infolge Sauerstoffmangels fangen die Wurzeln zu faulen an und sterben ab. Sie können kein Wasser mehr aufnehmen und die Pflanze welkt und vertrocknet, obwohl ständig gegossen wird.


Auch die Regenerationsfähigkeit nach einer Trockenzeit ist bei Pflanzen unterschiedlich ausgeprägt. Während die hängenden Köpfe einiger Pflanzen sich nach reichlichen Wassergaben sehr schnell aufrichten und wieder erholen, verdorren bei anderen Pflanzen die Blätter bzw. feinen Äste (oder gleich die ganze Pflanze), da die Regenerationsfähigkeit nicht ausgeprägt ist.


Weiteres


Die Wassertemperatur sollte immer angepasst an die Umgebungstemperatur sein, damit die Pflanze keinen 'Giessschock' erleidet. Dieser kann dazu führen, dass die Pflanze z.B. kurzfristig das Wachstum einstellt.


Merke


Versuchen Sie, Ihren Zöglingen Wasserstress zu ersparen. Giessen Sie möglichst artgerecht und die Pflanzen werden es Ihnen mit gesundem Wachstum danken.


Lesen Sie weiter unter Düngen.

Tip des Monats

Gegen Ende des Monats sollte langsam aber sicher stickstoffärmerer Dünger zum Einsatz kommen. Der Kali- und Posphat-Anteil sollte dafür steigen. Damit setzen bereits die Vorläufer zur Abschlußdüngung im September ein. Genießen Sie den Sommer.

Wir empfehlen

Dioscorea batatas

Schnellwüchsige, windende Staude die aus großen, gegart essbaren, Knollen austreibt. Nach Zimt duftende winzige Blüten schmücken die Pflanzen im Spätsommer. Mehr...

Hedychium coccineum 'Tara'

Großer Zieringwer mit Blüten, die goldgelb-orange-rot im Spätsommer leuchten. Dieser Zieringwer gehört mit zu den winterhärteren Arten. Mehr...

Hedychium greenii

Herrlicher Zieringwer mit kräftigen Trieben und scharlachroten, leuchtenden Blüten, die alle Blicke im Spätsommer auf sich ziehen. Mehr...

Leycesteria formosa

Die Karamellbeere ist etwas für Naschkatzen: Die im Spätsommer reifenden Beeren schmecken wie Karamellbonbons. Mehr...

Sarcococca confusa

Kleiner immergrüner Busch mit stark duftenden hell cremefarbenen Blüten im Spätwinter, gefolgt von dekorativen, schwarzglänzenden Beeren. Mehr...

Zingiber mioga 'Dancing Crane'

Phantastisches Ingwergewächs mit einer lebhaften Panaschierung der Blätter und der Stämme. Mehr...

© by Happy-Flora 2007 - 2008 - 2009 - 2010 - 2011 - 2012 - 2013 - 2014 - 2015 - 2016
Letzte Aktualisierung der Homepage am
31. März 2016